Geführte Fotoreisen sind viel zu teuer - oder?

Strand am Penedo do Guincho mit einem Fotografen, der vor einer Welle wegrennt

Eine geführte Fotoreise ist teuer.
Man kommt auf den ersten Blick deutlich billiger weg, wenn man alles alleine organisiert.
Neulich sagte ein Freund von mir: „Für das Geld bekommst Du auch ein neues Objektiv für Deine Kamera“.

Das stimmt natürlich, denn bei einer geführten Fotoreise zahlt man ja nicht nur seine eigenen Reisekosten, sondern auch die des Trainers oder der Trainerin. Die haben ja auch Kosten Für Flug, Hotel usw. Und so wie Du für Deine berufliche Tätigkeit angemessen und fair entlohnt werden möchtest, wollen und sollen auch Deine Reiseleiter für ihre Tätigkeit bezahlt werden, sonst können sie diesen Service nicht lange anbieten.  Wenn Du einen Klempner beauftragst, ist es für Dich ja auch selbstverständlich, dass er von seiner Arbeit leben möchte.

Und mal ehrlich: Portugal ist nicht gerade ein billiges Reiseland. Selbst wenn Du die Reise komplett selbst organisieren würdest, könntest Du für das Geld, das Du für die Reise ausgibst ein schnuckeliges  Objektiv für Deine einäugige Geliebte kaufen. Nur was hättest Du davon? Ich zumindest bin eigentlich mit meinem jetzigen Equipment sehr zufrieden. 

Wenn Du so wie ich Seascapes liebst, also das Fotografieren z.B. am Atlantik, mit wildem Wasser in atemberaubend schöner Landschaft, dann geht das einfach besser in Portugal als in Hannover am Maschsee oder am Steinhuder Meer.
Daher ist es für mich wesentlich sinnvoller, mein Geld in eine Reise zu investieren, als noch ein weiteres Objektiv zu kaufen. Fotografisch würde mich ein weiteres Objektiv nicht weiter bringen! Eine Fotoreise hingegen bietet mir neue Locations und damit Möglichkeiten, nicht nur mein Portfolio sondern auch mein Können zu erweitern.

Du könntest natürlich fragen: Warum muss oder soll es denn unbedingt eine geführte Reise sein? Du kannst doch schon fotografieren, warum bezahlst du dann trotzdem z.B. Honorar, Unterkunft und Fahrtkosten für Mentoren? Warum machst Du nicht alles auf eigene Faust?

Ganz einfach: Ich kannte Portugal vor meiner Fotoreise nur von Bildern!
Das Team, mit dem ich auf Portugal war, kennt die Region jedoch wie ihre Westentasche. Sie wissen genau, welche Locations bei welchem Licht am besten funktionieren und können exakt planen, wo wir morgens und wo abends sein sollten. Bei Seascapes kommt als weiteres Kriterium noch der Tidenstand dazu: Manche Location funktionieren fotografisch nur bei Ebbe, andere nur bei Flut. Das sieht man allerdings erst vor Ort. Gute Anbieter scouten die Locations deshalb vorher ohne Kunden und sitzen stundenlang an den einzelnen Spots, um zu sehen, welche Bedingungen die besten Ergebnisse ermöglichen. Und dementsprechend planen sie dann im Voraus auch ihre Reisen. Denn die Sonne geht zwar an jedem Tag im Jahr morgens auf und abends wieder unter, doch an welcher Stelle, ist zu jeder Jahreszeit unterschiedlich. Für gute Fotos – und die sind ja das Ziel einer Fotoreise, ist das allerdings ganz entscheidend. Und dann muss ja auch noch der Tidenstand passen.

Wenn Du Deine Fotoreise selber planst und organisierst, brauchst Du auch mehr Zeit vor Ort, denn dann musst Du die einzelnen Spots selber erkunden. Und wenn Du dann statt einer Woche 3 oder 4 brauchst, um genauso viele gute Bilder zu bekommen, relativiert sich die Sache mit dem Aufpreis schnell, gerade bei den aktuellen Hotel- und Mietwagenpreisen. Und unbegrenzt Urlaub gewährt Dein Arbeitgeber Dir vermutlich auch nicht.

Einen entscheidenden Faktor kann natürlich auch der beste Anbieter trotz sorgfältigster Planung nicht beeinflussen: Das Wetter. Und bei „schlechtem“ Wetter (darunter verstehen wir Landschaftsfotografen oft etwas ganz anderes als herkömmliche Touristen), funktionieren viele Locations einfach nicht. Gute Anbieter zucken dann aber nicht mit den Schultern, sondern sie wissen, dass Wetter ein durchaus volatiler Aspekt ist und haben deshalb auch Ausweichlocations im Köcher für den Fall, dass das Wetter mal nicht mitspielt. Locations, die bei jedem Wetter funktionieren. Gerade diese Locations sind alleine oft nur schwer zu recherchieren, weil es oftmals nicht die begehrten „Hot Spots“ sind. Sie müssen deshalb allerdings nicht weniger interessant sein und sie zu kennen kann darüber entscheiden, ob die Fotoreise ein Erfolg für Dich wird oder eine Enttäuschung.

Bei einer Fotoreise geht es mir darum, möglichst viele herausragende Bilder aufzunehmen. Wenn ich eine Reise alleine durchführen und planen würde, bräuchte ich wesentlich viel mehr Zeit, um auch nur annähernd so viele faszinierende gutes Bilder zu machen wie mit einem erfahrenem und  ortskundigen Reiseleiter.

Sicher gibt es auch Reiseanbieter, die einen ganzen Bus voll Leute packen, einen Fotografen dazu setzen und dann von einem Touristenhotspot zum nächsten klappern. Eine solche Reise ist wäre für mich tatsächlich rausgeschmissenes Geld. Da würde ich es  tatsächlich  vorziehen, alleine zu reisen.

Aber ich hatte das Glück, Serdar und Andre von www.phototours4u.com kennenzulernen. Wir haben die gleiche Philosophie was Landschaftsfotografie angeht und die Chemie stimmt. Ich habe mich auf dieser Reise rundum wohl gefühlt und  die Reise war mir jeden einzelnen Cent wert. Ich kann diesen Anbieter absolut empfehlen.

Dazu kommt noch, dass Fotografieren in der Gruppe wesentlich mehr Spaß macht, als alleine unterwegs zu sein und man sich manchmal auch gegenseitig inspiriert.

Ein ortskundiger und erfahrener Reiseleiter kennt zudem auch mögliche Gefahren an einer Location oder kann darauf hinweisen, dass an bestimmten Orten eine Stirnlampe notwendig ist, vielleicht auch inklusive Ersatzbatterien. 

Allerdings hat eine geführte Fotoreise, wie alles im Leben auch Nachteile, die sich im Grunde allesamt daraus ergeben, dass man auf solchen Reisen in einer Gruppe unterwegs ist.

An manchen Locations ist z.B. wenig Platz zum Fotografieren und da muss man sich dann mit den anderen Teilnehmern absprechen. So hat man ggf. weniger Zeit zur Verfügung, als einem lieb ist. Zwar kalkulieren gute Reiseleiter dies in die Planung mit ein und meiden Spots, wo das Fotografieren als Gruppe zu problematisch ist, doch kann es immer auch notwendig sein, hier Kompromisse zu machen. An anderen Spots ist das Thema Platz natürlich auch gar kein Problem.

Außerdem kann man bei einer geführten Reise natürlich schlechter spontan eigene Pläne umsetzen, sondern ist im Grunde an das Konzept des Reiseleiters gebunden. Zwar kenne ich das von der Portugal – Reise so, dass wir durchaus in die Planungen mit einbezogen wurden und auch um unsere Meinung gefragt wurden, doch ganz auf eigene Faust zu agieren ist natürlich nur bedingt möglich. Dazu ist eine Gruppenreise ja auch gar nicht gedacht.

Außerdem weiß man natürlich nie, wie sich so eine Gruppe zusammensetzt, wenn man sie bucht. Theoretisch kann man natürlich Pech haben und man erwischt eine Gruppe, die einem so gar nicht liegt. Doch selbst damit kann man zur Not umgehen und sich dann einfach auf die eigene fotografischen Ziele konzentrieren. Und ob die Reiseleiter einem zusagen, bekommt man im Vorfeld schon heraus, die sind also schonmal nicht das Problem, vorausgesetzt, dass man nicht blind drauflos bucht.

Ich hatte bei meiner Portugal – Reise mega Glück, vermutlich buchen bei denen auch nur Leute, die genauso „verrückt“ sind, wie ich. Es hat einfach Spaß gemacht, sich auf der Fahrt zu den Locations über die Fotografie oder auch über Gott und die Welt zu unterhalten, zu fachsimpeln, sich gegenseitig Tipps zu geben und einfach eine sehr gute Zeit zusammen zu haben. Das hätte mir alleine definitiv deutlich weniger Spaß bereitet.  

Ich persönlich halte es für eine schlaue Idee, wenn Du  erstmal einen oder mehrere Tagesworkshops mit einem Anbieter machst, bevor Du eine hochpreisige Reise buchst. Dann findest Du schnell heraus, ob Du auf einer Wellenlänge mit den Reiseveranstaltern bist. In der Regel ziehen die dann auch Leute an, die auch genauso ticken. So war es bei meiner Portugal – Reise ja auch.

Wenn man sich dann für eine längere Fotoreise entscheidet, würde ich empfehlen, im Anschluss noch einige Tage, vielleicht sogar eine Woche alleine dranzuhängen. So kann man in aller Ruhe Spots nochmal Spots besuchen, mit denen man vielleicht noch „eine Rechnung offen hat“, oder die man vielleicht einfach so gerne noch einmal alleine erleben möchte. Und in Portugal kann man diese Zeit auch prima wie jeder „normale“ Tourist zum Baden, chillen usw. nutzen. Das tut nach einer ausgiebigen Fotoreise auch gut.